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CORPS À CORPS
(Uraufführung 25. Feb. 2016, Odeon, Wien/AT)

Kronen Zeitung

Vier TänzerInne erobern mit kreisenden Bewegungen den Bühnenraum. Die Szenen verdichten sich. Menschliche Körper und ausgezehrte Marionetten geraten aneinander, werden zum Knäuel, zum Menschen-Müllhaufen, zur vibrierenden Skulptur: Saskia Hölbling zeigt im Odeon ihr neues Stück „Corps à Corps“. (...) 


Wolfgang Mitterers spannende kompositorische Arbeit voll raffinierter Strukturen, Klangfarben und Geräuschen verdichtet die Bilder. Manchmal wie in einem Gruselfilm. Eine Szenerie irrlichternder Gestalten in einer Tod inhalierenden Welt. Atmende Totenberge! Voll dunkler, Schreckliches ahnbarer Momente. Man kann diesen Tanz aber auch nur vom choreografischen Konzept Saskia Hölblings her sehen: Als Bewegungsspiele, die ihre Spannung aus Verdichtung und Auflösung, aus dem gegensatzvon Mensch und Nicht-Mensch und der gegenseitigen Beeinflussung sehen. Spannend!


Karlheinz Roschitz





Tanzschrift

Mit acht Körpern, zwei Tänzerinnen, zwei Tänzern, vier weiß gekleideten kopflosen Puppen, zeigt Saskia Hölbling im Odeon das Untergehen des Individuums in der Masse. Ausbruch ist kaum noch möglich, die Menge fängt den Einzelnen immer wieder ein. Mit einer fremden, neuen Körpersprache zaubert die Choreografin schöne, eindrucksvolle Bilder. Körper im Nahkampf.

 (…)
Wesentlich für diese beeindruckende (auch etwas bedrückende) Performance ist die eigens dafür komponierte Musik von Wolfgang Mitterer. Unheimlich droht sie, treibt die Tänzer_innen an und hält sie auf, in den vier Solos scheint es, als würden sie gegen den Sturm der elektronischen Töne ankämpfen. 

(…)
Das Publikum im voll besetzten Odeon ist beeindruckt, der Applaus intensiv aber verhalten. Saskia Hölbling, deren Ensemble DANS.KIAS seit mehr als 20 Jahren besteht, zeigt immer wieder, dass sie nicht bei einmal Erreichtem stehen bleibt. 
Mit „Corps à Corps“, der durch Tanz und Musik doppelten Uraufführung, hat sie nach dem dreiteiligen Squatting Project“ eine neue Ebene erreicht, mit ihrem ausgezeichneten Team einen nie gesehenen Bewegungskanon entwickelt.
Ditta Rude




Der Standard



Hölbling hat auf zwei ihrer früheren Werke zurückgegriffen: "Assemblage humain", ein Solo mit Puppe, das Impulstanz im Vorjahr zeigte, und auf das mit dem französischen Künstler Laurent Goldring entstandene "body in a metal structure" von 2012. Aus einer weißen Puppe sind bei "Corps à Corps" vier geworden und aus einer Metallstruktur zwei Gestelle. Auf der Bühne konfrontieren sich zwei Frauen – exzellent: Adriana Cubides – und zwei Männer mit den lebensgroßen Gliederfiguren. 


Der Tanz ist ein Antipode zum Posthumanismus, darauf baut auch Saskia Hölbling. In "Corps à Corps" liegt der dem Zeitgeist entsprechende Jammer um den anfälligen und sterblichen Körper fern. (…)


In seiner zweiten Hälfte wird das Stück zunehmend planlos. Möglicherweise ist das Absicht. Denn es könnte sein, dass die Choreografin so die Plan- und Ratlosigkeit widerspiegeln will, mit der menschliche Körper sich selbst und ihrer Organisation gegenüberstehen. Wenn das stimmt, wäre "Corps à Corps" ein gelungenes Statement, das diese Verwirrung nur nicht radikal genug vorträgt. Der Tanz endet im Aufgeben vor unlösbaren Problemen. 

Die bis zur letzten Sekunde überzeugende Musik kommt von Wolfgang Mitterer, von Gudrun Lenk-Wane die Puppen, und Gerald Pappenberger ist für das im Rhythmus ständig drohenden Verlöschens komponierte Licht verantwortlich.


Helmut Ploebst



BODIES IN TUBES
(Uraufführung 10. Okt 2014, Tanzquartier Wien, Wien/AT)


Der Standard

Zwei Körper versuchen, sich in eng aneinandergehängten Schuttrutschen zu halten.Wie in ihren beiden Vorgängerarbeiten, "body in a metal structure" und "bodies (with)in fences", lässt Hölbling auch hier dem Unheimlichen seinen scheinbar abstrakten Lauf. Wieder ein Gestell, aus dem der Körper nicht herausfindet. Doch hier wird das Klaustrophobische unserer Existenz am Radikalsten sichtbar gemacht: als Körper, die nur noch Abraum der sie beherrschenden Systeme sind.
Helmut Ploebst

Kurier

"bodies in tubes", das neue Stück von Saskia Hölbling im Tanzquartier, ist zugleich Abschluss der Serie "Squatting Projekts", die in Zusammenarbeit mit Laurent Goldring entstand.
Die Projekte thematisieren das Verhältnis von Körpern zum urbanen Raum. Diesmal steht eine Installation mit Schuttrutschen von Goldring und Gudrun Lenk-Wane auf der Bühne. Die interessante Choreografie ist im Halbdunkel nur schemenhaft erkennbar. Hölbling und Rotraud Kern füllen die beweglichen Rohre ("tubes"), verschwinden darin, als ob sie Schutz suchen. Körperteile ragen heraus, bis die Performerinnen jede Fuge der Installation erkunden. Dabei verstärkt sich der Eindruck eines Raumes, der sich wie eine Zwangsjacke über ihre Körper stülpt.
Silvia Kargl

 

BODIES (WITH)IN FENCES
(Uraufführung 23. Jän 2013, WUK, Wien/AT)

Der Standard

Brillant: Das Tanzstuck "bodies (with)in fences" von Saskia Holbling und Laurent Goldring

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Unsere Gesellschaft ist eine permanente Baustelle. Eine, die auf allen Ebenen von Zaunen durchzogen und mit Gittern gesichert wird. Wie sich diese Politik der Sperrung anfuhlt, veranschaulichen die osterreichische Choreografin Saskia Holbling und der franzosische Kunstler und Philosoph gerade mit ihrem beklemmenden Tanzstuck "bodies (with)in fences" im Wiener Wuk. (...)


Nach "body in a metal structure" ist "bodies (with)in fences" die zweite Zusammenarbeit von Saskia Holbling und Laurent Goldring. Das erste Stuck war schon ein Erfolg. Das neue nun trifft so richtig ins Schwarze.


Helmut Ploebst




tanz.at

In einer Installation aus Baugittern arbeiten drei Körper, untersuchen die Möglichkeiten der Fortbewegung, überwinden Barrieren und sind am Ende dort, wo sie begonnen haben. Saskia Hölbling und Laurent Goldring haben auch die zweite Folge ihres „Squatting Projects“ für den öffentlichen Raum konzipiert, um das urbane Umfeld zu bereichern. Die Premiere fand im Projektraum des WUK statt. (...)


Eine durch ihre Schwierigkeit und den körperlichen Einsatz aufregende Performance, die im freien Raum (innen oder außen) noch intensiver zu erleben wäre. Im kleinen Projektraum des WUK ist das Publikum auf zwei Seiten der Installation aufgeteilt und sieht quasi nur die Hälfte der bewegten Körperbilder. Herumgehend immer wieder die Perspektive zu ändern, würde höheren Gewinn bringen. Die nächsten Aufführungen des eindrucksvollen Projekts stehen noch nicht fest, doch werden die „Körper (mit) in Zäunen“ im Lauf des Jahres sicher (wie ja der erste Teil des „Squatting Projects“ von Hölbling/Goldring „body in a metal structure“ auch) an mehreren Orten, mit oder ohne Dach darüber, zu sehen sein.


Ditta Rudle

 

BODY IN A METAL STRUCTURE

(Uraufführung 3. Mai 2012, donaufestival krems, Krems/AT)

Der Standard

Eine Frau in schwarzen Hosen und schwarzem Shirt – Hölbling selbst – platziert sich Kopf nach unten in einem gut vier Meter hohen Gestell aus Metallröhren, wie sie für Baugerüste verwendet werden. Die geplant instabile Konstruktion (von Gudrun Lenk-Wane) besteht aus einer Pyramide innerhalb eines Würfels. Darin bewegt sich die Tänzerin eine Stunde lang, klettert hoch, lässt sich wieder zu Boden, hängt an den Verstrebungen und rüttelt an ihnen. Das Gestell hält das zwar aus, aber vor allem seine äußeren Teile schwanken gefährlich. Der Symbolwert des Ganzen ist beachtlich. Der Philosoph Martin Heidegger war begeistert von der Idee des „Ge-stells“. Für ihn steht es für alles, was „den Menschen herausfordert, das Wirkliche als Geschaffenes zum Vorschein zu bringen“. (...)


Für Hölbling ist diese Arbeit das erste Statement in einer ganzen Reihe künftiger „Squattings“, Besetzungen von öffentlichen Plätzen. Der Anfang ist gemacht – und absolut gelungen.


Helmut Ploebst




Kronen Zeitung

Im öffentlichen Raum - auf der Albertina-Bastei - ein seltsames Gebilde aus Metallstangen, in dem eine schwarz bekleidete Person kopfüber hängt. Es ist die Choreografin und Performerin Saskia Hölbling, die ihren Abend "body in a metal structure" beim ImPulsTanz-Festival zeigt.

Saskia Hölblings Abend (der gemeinsam mit Laurent Goldring erarbeitet wurde) bringt zwar gefährlich wirkende Klettermomente, jedoch keine zirkushafte Artistik: Es geht nicht um die Show, sondern um das Erobern und Erfahren des Gerüsts. Was sieht man? Saskia Hölbling schlingt und schwingt sich durch das große Metallgerüst, wirkt manchmal reptilienhaft, dann wieder offensiv. In wechselnder Bekleidung wird das Objekt erkundet, manchmal hängt sie kopfüber an den Stangen, dann springt sie, klettert, lässt sich fallen, erreicht den Boden. Immer wieder dazwischen der prüfende Blick auf das Gerüst, ein Kräftemessen, ein Abschätzen des Gegenübers. Und langsam ergibt sich das Rohrgebilde, wird aus einem baustellenhaft wirkenden Objekt zu einer Skulptur, die von Hölbling dekonstruiert wurde. Spannend, was sich zwischen gefährlich schwankenden Einzelteilen und dem festen Innenbau ereignet, wie die Bezwingung dieses meterhohen Objekts gestaltet ist.


Oliver Lang




tanz.at



Unter freiem Himmel, auf der Terrasse der Albertina, ein metallenes Gerüst – Eine Skulptur von Gudrun Lenk-Wane, die es zu erobern gilt. Das Gestänge im ungewohnten Ort steht für die Hürden und Irritationen in der Stadt.

Egal, ob man die im Programmheft erläuterten Intentionen der Tänzerin und Choreografin Saskia Hölbling und des Medienkünstlers und Philosophen Laurent Goldring liest und versteht oder sich einfach von der metallenen Architektur inmitten der historischen Gebäude (von der Oper über die Hofburg zur Albertina) und des damit kommunizierenden Körpers einfangen lässt: „body in a metal structure“ ist eine faszinierende Performance. Ganz anders als bei der Voraufführung, die im geschlossenen Raum stattgefunden hat, wirkt schon die in den Himmel aufragende Skulptur, die von Nik Hummer zum klingen (seufzen, jammern, klopfen, singen) gebracht wird. 

Die Tänzerin, anfangs ganz in Schwarz gehüllt, hängt kopfüber, gefangen in dem Gestänge, klettert dann hoch hinauf, bis an die Spitze. Ist winzig klein und zerbrechlich inmitten der harten Materie. Noch kämpft sie mit den mitunter schwingenden, ausweichenden Teilen, tastet vorsichtig mit Füßen und Händen, wird immer sicherer. Während der Mond dunstig umrahmt herauf segelt, zieht sich die Turnerin einen Rock an, wird zur Frau, die sich anschickt mit der Materie zu kommunizieren, Vertrauen aufzubauen, sie zu erobern. Geschmeidig gleitet der Körper durch das Labyrinth der kunstvollen Architektur, bietet sich der längst nicht mehr feindlichen Materie mit geöffneten Beinen dar, um sich, wenn das letzte Tageslicht geschmolzen ist, der Kleider zu entledigen, in schwarzer Spitzenunterwäsche wieder kopfüber an den Stangen zu hängen. Nicht mehr als Gefangene sondern jetzt als freiwillig Hingegebene. Der Körper ist Eins mit der metallischen Struktur.


Ditta Rudle