jours blancs: dossier

Konzeption, Choreografie, Tanz
Saskia Hölbling
Musik

Heinz Ditsch
Licht, technische Leitung

Krisha
Video

Doron Goldfarb
Künstlerische Beratung

Gilles Amalvi


Nach „exposition-corps“, „superposition-corps“ und „Your body is the shoreline“, drei Stücken, die den Körper in seinem Rohzustand darstellen, das Wesen des Körperlichen thematisierten, sucht Saskia Hölbling nun, ihren Körper in einen Kontext einzuschreiben. Dieser könnte ein Land sein – Österreich, er könnte eine Stadt oder auch eine Wohnung sein. Es könnte irgendwo sein – der Druck dieser Umgebung jedenfalls wird als Unterdrückung des Körpers, des Geschlechts, der Gefühle spürbar.
In „Jours Blancs“ ist der glatte Raum eine Falle, in dem Wohlbefinden Abscheu kaschiert und alltägliche Gesten von Verlangen, Angst und Frustration ausgehöhlt sind. Der weibliche Körper existiert weder als Person, noch als Bild, er verkörpert nichts – als eine Frage: ist Fragezeichen und Verbindungslinie zwischen Lust, Schmerz, Wut.

Sie bewegt sich in einer alltäglichen Umgebung, die ihr immer fremder wird. Ist das ihre Wohnung oder die eines anderen, ihr Körper oder der eines anderen? Es ist ein Ort ohne Gedächtnis, ohne Eigenart, an dem man sich selbst im Wege steht, in dem sich aus jedem Gegenstand eine Angst, eine Obsession kristallisieren kann.Der Blick des Betrachters, der in diesen Raum einzudringen versucht, prallt an ihrem blinden, undurchdringbaren Körper ab. Es kreuzen sich Bahnen, prallen Stile aufeinander, die Angst, Lachen, Gewalt und Zärtlichkeit auslösen können.

 

Woher das Unbehagen kommt, lässt sich nicht sagen: Der Zuseher wird mit einer Reihe von Wirkungen und Verkettungen konfrontiert – einer Wiederholung, die eskaliert, einem Virus, der vom Raum auf die Gegenstände und von den Gegenständen auf den Körper übergreift. In der Figur dieser Frau, die sich einen Schutzraum schaffen will, thematisiert Saskia Hölbling einen Prozess, der den Körper nur noch als sich fremde Hülle übrig lässt und gibt damit Einblick wie unsere Beziehung zur Lust, zum Schmerz, zum Verlangen verstanden werden kann.

Text von Gilles Amalvi


Eine DANS.KIAS Produktion.
Koproduziert von den Rencontres chorégraphiques internationales de Seine-Saint-Denis und unterstützt vom Centre Chorégraphique National de Franche-Comté à Belfort im Rahmen einer Residenz.

 

DANS.KIAS wird subventioniert von der Kulturabteilung der Stadt Wien