da-nach: reviews

Ein Stück Hoffnung in der Apokalypse

Gleich vorweg: „Da-nach“ ist eine kleine, aber umwerfende Produktion (…) und: Man sollte sie sich nicht entgehen lassen, denn: So eine österreichische Tanzproduktion, die derart stimmig, gescheit, in sich schlüssig, mit einer tollen Choreografie und einem genialen Sound versehen ist, muss erst einmal gesucht werden. (…)

Der Kreativität von Gudrun Lenk-Wane ist es zu verdanken, dass die Arte-povera-Requisiten nicht auf eine billige Produktion verweisen, sondern passend und immer wieder Staunen auslösend zum Einsatz kommen. (…)

Das Großartige an dieser Produktion ist, dass sie ein Gesamtkunstwerk darstellt. Und zwar keines, das sich diesen Terminus protzend an die Marketingfahnen hängt. Bühne, Choreografie und Musik, aber auch die Dramaturgie der Geschichte an sich überzeugen ohne jegliche Abstriche. Sie ist hochaktuell, zugleich aber auch von archaischer Wucht. In „Da-nach“ wird nüchtern dem triebhaften Menschsein eine zweite, ganz andere Seite gegenübergestellt, die in den derzeitigen Dystopiediskursen meist gar nicht vorkommt: Nämlich jene der Empathie, des gemeinsamen Tuns und Helfenwollens – was schließlich auch zum Überleben der Spezies Mensch in diesem speziellen Kontext beiträgt.

Es mag wohl auch diese so erlösende Aussicht auf eine allerorten düster prognostizierte Zukunft sein, die dieses Stück zeitgenössischen Tanz so überaus beeindruckend erscheinen lässt. Chapeau, chapeau und: Danke dafür!

(Michaela Preiner, European Cultural News)

 

 

DANS.KIAS : Da-nach

Braucht die Menschheit wirklich erst die Katastrophe, um sich ihrer Größe zu erinnern? Keimt erst aus dem Ruin der Samen der Menschlichkeit? Saskia Hölbling zeichnet mit ihrer jüngsten Arbeit ein Bild des Menschen, der sich, reduziert auf seine bloße Existenz, als empathisches, solidarisches Wesen, als Mensch im besten Sinne erweist. Großartig performt und im perfekten Zusammenspiel mit Sound und Licht ist „Da-nach“ ein zutiefst humanistisches Werk. Nietzsche ließ seinen Zarathustra fordern: „Neue Tafeln setzt mir, meine Brüder! Neue Tafeln mit neuen Werten!“ Saskia Hölbling setzt sie.

(Rando Hannemann,  Tanz.at)

 

 

Leben im Treibgut

Irgendwo im Nirgendwo, verschollen und einsam, verloren - und doch nicht verloren: Das sind die Figuren in Saskia Hölblings einstündigen Tanzstücks „Da-nach“. (…) Wolfgang Mitterer, einer der interessantesten österreichischen Komponisten, hat die Musikkulisse geschrieben, die so gefährlich, beklemmend, aufregend, aber auch immer irgendwie bekannt wirkt. (…)

Hölbling entwickelt eine Figurenaufstellung, die tastend die neue Umgebung erforscht. (…) Was in einer knappen Stunde gelingt, ist eine gekonnt gemachte Studie des Menschlichen: Gemeinsam entwerfen die ausgezeichneten Tänzer eine düstere, aber nicht hoffnungslose Atmosphäre der Verlorenheit. Und schaffen eine Einheit in Hölblings Gestaltung, die in ihren Bann zieht!

 

(Oliver Lang, Kronenzeitung)

 

 

Radikal unbunt: Saskia Hölblings Tanzstück „Da-nach“

Die Welt ist baden gegangen. Aber immer- hin: Ein paar Leute konnten sich retten! Im neuen Tanzstück „Da-nach“ der Wiener Choreografin Saskia Hölbling treiben sie auf einem instabilen Floß aus Gerümpel auf dem Holzboden eines weiten Raums im Semperdepot. (…)

Vielleicht sitzt ja der Schock über den großen Untergang zu tief, möglicherweise hatten die Überlebenden jenes (unbenannt bleibende) Ereignis, das sie auf ihr Floß getrieben hat, vorausgesehen. Jedenfalls müssen sie jetzt ohne all das zurechtkommen, was zuvor so wahnsinnig wichtig war. Denn was sie außer ihrem Floß noch besitzen, tragen sie als Klei- dung an ihren Körpern. Also klettern sie umher, an- und übereinander, in scheinbar sinn- und zielloser Geschäftigkeit. Bis sie begreifen, dass sie als zusammengewürfeltes Grüppchen immerhin ihre Gemeinschaft haben.
Hölbling verzichtet darauf, aus dieser kläglichen Situation die üblichen Dramen hochzupäppeln – also kein Kampf, kein Messer, kein Haifisch mit Zäh- nen im Gesicht. Nur ein geduldiges Suchen und Ver- suchen, irgendwie zusammenzufinden. (…)

Das Geschehen auf dem Floß wird von Wolfgang Mitterers bildhaften Soundtrack-Klängen beharrlich durch die Wellen der Zeit getragen. Am Ende hat das Publikum die Mühen einiger Typen gesehen, die nichts offenbar Besonderes an sich haben. In unserer Gegenwart knalliger Ich-Inszenierungen ist gerade die Unbuntheit der Tänzer im Stück „Da-nach“ ein radikales Statement.

 

(Helmut Ploebst, Der Standard)



Vom Überleben nach der Katastrophe

Was passiert „Da-nach“? Ein ständiges Aufbäumen gegen Kräfte von außen, die zu einer energiegeladenen, schnörkellosen und bedrängten Körpersprache führen. (…)

Was diese Choreografie stark macht, ist die direkte Vermittlung des Suchens nach der eigenen Position, des Weiterlebens nach einer nicht näher definierten Katastrophe, in der man zunächst gezwungen ist, die Konzentration auf sich zu lenken. (…)

Die Körpersprache bleibt als einziges Kommunikationsmittel intensiv und dicht. (…) Die emotionale Wirkung auf das Publikum wird durch den kurzen, eindringlichen Auftritt des neunjährigen Oskar Mitterer noch gesteigert, der sich schnell und voll konzentriert in diese Gemeinschaft von Menschen auf der Flucht integriert.

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(Silvia Kargl)